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Einst lebte eine Amme in Niedercrinitz. Ihr Gesicht war so runzelig und ihr Haar so weiß sie lebte wohl schon an die hundert Jahre auf dieser Erde. Das war Zeit genug, auch das Zaubern zu erlernen.

Eines Tages klopfte ein Bauer an die Tür. Er führte sein Pferd am Zügel. Er hatte keine Zeit verlieren wollen, denn feindliche Soldaten marschierten genau auf Niedercrinitz zu.

"Das gibt Mord und Totschlag. Vielleicht, dass du etwas Entsprechendes zaubern könntest, gute Amme?"

Die Amme schaute den Bauern an und beruhigte ihn: "Geh nur schlafen! Ich will tun, was ich kann."

Der Bauer ging nach Hause. Er war sich sicher: Wenn die Amme so sprach, würde sie wissen, was zu tun war. Die Amme murmelte noch einige Worte vor sich hin, da schlief der Bauer schon.

Die Worte taten ihre Wirkung: Ein Tal in der Nähe von Niedercrinitz füllte sich über Nacht mit Wasser. Das ahnte der schlafende Bauer so wenig wie die Soldaten, deren Weg sie gerade durch dieses Tal führte.

Das Wasser stieg rasch, ergriff die Männer und schwemmte sie zuerst nach oben. Dort wurden sie von unsichtbaren Strudeln ergriffen und auf immer zurück in die Tiefe gezogen. Sie ertranken allesamt.

Still und friedlich vergingen die folgenden Jahre. In Niedercrinitz wurde geboren und gelebt und gestorben. Irgendwann starb auch die Amme. Der See versickerte bis auf einen Rest: den Niedercrinitzer Streitteich.

 
 
 
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